EU-unterstütztes CIRCULANDIA-Projekt startet 9,6-Millionen-Euro-Initiative zur Verbindung von regenerativer Landwirtschaft, lokalen Lebensmittelsystemen und Mehrwegverpackungen

Das Horizont-Europa-Projekt bringt Städte, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Regionalbehörden zusammen, um kreislauforientierte Lebensmittelsysteme zu erproben, die europaweit übertragen werden können

  • CIRCULANDIA ist ein mit 9,6 Millionen Euro ausgestattetes Horizont-Europa-Projekt mit einer Laufzeit von 2026 bis 2030
  • Die Initiative verbindet regenerative Landwirtschaft, lokale Lebensmittelsysteme und Mehrwegverpackungen in einem gemeinsamen Rahmen für die Kreislaufwirtschaft
  • Das Konsortium vereint 35 Organisationen aus zwölf europäischen Ländern
  • Die Pilotmaßnahmen umfassen Bodengesundheit, Kohlenstoffbindung, urbane Landwirtschaft, biogene Stoffströme und Mehrwegverpackungen für Speisen zum Mitnehmen
  • Ein dreistufiges Replikationsmodell soll Lösungen von Pilotstädten auf Replikatorstädte und Multiplikatorregionen übertragen
  • Lille Métropole wird Ansätze zur Bodenwiederherstellung und zum kreislauforientierten Ressourcenmanagement erproben
  • Das Projekt unterstützt umfassendere EU-Ziele in den Bereichen Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz, gesunde Böden und Verringerung von Verpackungsabfällen
  • Sein langfristiger Nutzen wird davon abhängen, ob sich die Ergebnisse der Pilotprojekte erfolgreich auf unterschiedliche europäische Regionen übertragen lassen

(NACHRICHTEN) HELSINKI, 11. Aug. 2026 — /EuropaWire/ — Ein neues europäisches Forschungs- und Innovationsprojekt will die Nachhaltigkeit von Lebensmittelsystemen als zusammenhängende Herausforderung und nicht als eine Ansammlung voneinander getrennter Probleme angehen. Dazu werden regenerative Landwirtschaft, lokale Lebensmittelversorgungsketten und Mehrwegverpackungen in einem gemeinsamen Rahmen für die Kreislaufwirtschaft zusammengeführt.

CIRCULANDIA wird von der in Finnland ansässigen Organisation CLIC Innovation koordiniert, startete offiziell am 1. Mai 2026 und soll bis zum 31. Oktober 2030 laufen, wie aus dem CORDIS-Projekteintrag der Europäischen Kommission hervorgeht. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 9,63 Millionen Euro. Darin enthalten sind rund 9 Millionen Euro an direkten Fördermitteln der Europäischen Union aus dem Programm Horizont Europa.

Der Regionalrat Helsinki-Uusimaa, der die Initiative in einer von EuropaWire veröffentlichten Pressemitteilung ankündigte, beschrieb das Projekt als einen Versuch, herkömmliche Produktions-Konsum-Abfall-Modelle zu überwinden und durch Kreislaufsysteme zu ersetzen. Diese sollen Treibhausgasemissionen reduzieren, die Bodengesundheit und biologische Vielfalt verbessern, Lebensmittelversorgungsketten verkürzen und Verpackungsabfälle verringern.

Im Mittelpunkt von CIRCULANDIA stehen drei miteinander verbundene Bereiche, die häufig getrennt voneinander behandelt werden: regenerative Landwirtschaft, lokale Lebensmittelproduktion und -verteilung sowie Mehrwegverpackungen für Speisen zum Mitnehmen. Laut den offiziellen Projektinformationen von CLIC Innovation sollen Lösungen entwickelt werden, die in städtischen und regionalen Lebensmittelsystemen als Ganzes funktionieren, anstatt einzelne Bestandteile isoliert zu optimieren.

Anna Tenhunen-Lunkka, Leiterin des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei CLIC Innovation und Koordinatorin des Konsortiums

Anna Tenhunen-Lunkka, Leiterin des Bereichs Kreislaufwirtschaft bei CLIC Innovation und Koordinatorin des Konsortiums, betonte bei der Ankündigung des Projekts dieselbe Unterscheidung. In einem LinkedIn-Beitrag erklärte sie, CIRCULANDIA sei bewusst so konzipiert worden, dass normalerweise getrennt behandelte Bereiche miteinander verbunden werden. Das übergeordnete Ziel bestehe darin, die Funktionsweise von Lebensmittelsystemen als Ganzes zu verändern, anstatt lediglich einzelne Bestandteile zu verbessern.

Vom Kohlenstoff im Boden bis zu Mehrwegbehältern für Speisen zum Mitnehmen

Die Breite dieses Ansatzes zeigt sich in den geplanten Demonstrationsvorhaben.

Nach Angaben von CLIC Innovation und der ursprünglichen Projektankündigung umfassen die Aktivitäten die Ausweitung von Fernüberwachungssystemen zur Überprüfung der Kohlenstoffbindung, die Einführung regenerativer Verfahren auf landwirtschaftlichen Flächen in kommunalem Eigentum, die Rückgewinnung und produktive Nutzung bislang unzureichend genutzter biologischer Nebenströme, die Erprobung urbaner Landwirtschaftsmodelle sowie den Aufbau lokaler Mehrwegverpackungssysteme. Ein weiterer Bestandteil ist die Beteiligung der Verbraucherinnen und Verbraucher an Mehrwegsystemen für Speisen zum Mitnehmen.

Vom EU-GAP-Netzwerk veröffentlichte Informationen liefern zusätzliche Einzelheiten dazu, wie diese Arbeitsbereiche umgesetzt werden sollen.

An den Pilotprojekten zur regenerativen Landwirtschaft werden Landwirtinnen und Landwirte sowie öffentliche Behörden beteiligt sein. Ziel ist es, die Bodengesundheit zu verbessern, die Kohlenstoffbindung zu erhöhen und Nährstoffe aus lokal verfügbaren biologischen Nebenströmen wieder auf landwirtschaftliche Flächen zurückzuführen. Digitale Überwachungsinstrumente sollen die Umsetzung und Überprüfung unterstützen.

Der Arbeitsbereich zu Lebensmittelsystemen soll unterdessen Lebensmittelzentren, urbane Lebensmittelproduktion sowie neue Governance- und Geschäftsmodelle umfassen, die Erzeuger, Kommunen und Verbraucher miteinander verbinden. Auch eine nachhaltige öffentliche Beschaffung wird als Instrument zur Stärkung lokaler Märkte und zur Verkürzung der Lieferketten genannt.

Im Verpackungsbereich plant CIRCULANDIA Demonstrationsprojekte auf städtischer Ebene unter Beteiligung von Unternehmen und Verbrauchern. Dazu gehören Logistiksysteme, Betriebsmodelle und Anreize, mit denen wiederverwendbare Alternativen zu Einwegverpackungen für Speisen zum Mitnehmen gefördert werden sollen.

Diese Arbeiten beginnen zu einem bedeutenden Zeitpunkt für den europäischen Verpackungsmarkt. Die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle trat im Februar 2025 in Kraft und gilt im Allgemeinen ab dem 12. August 2026. Die Verordnung führt unter anderem neue Anforderungen zur Vermeidung von Verpackungsabfällen und zur Wiederverwendung ein. Restaurants und Cafés müssen ihren Kundinnen und Kunden ab 2027 ermöglichen, für Speisen und Getränke zum Mitnehmen eigene Behälter zu verwenden. Ab 2028 müssen sie vorbehaltlich der detaillierten Bestimmungen und Ausnahmen der Verordnung auch Mehrwegverpackungen für Speisen und Getränke zum Mitnehmen anbieten.

CIRCULANDIA wird nicht als Programm zur Einhaltung regulatorischer Anforderungen dargestellt. Der zeitliche Rahmen bedeutet jedoch, dass die Erprobung von Mehrwegsystemen in einer Phase stattfindet, in der sich europäische Unternehmen und Kommunen an ein erheblich verändertes verpackungspolitisches Umfeld anpassen.

Ein Projekt, das auf Übertragbarkeit ausgelegt ist

Die Replikation ist ein zentraler Bestandteil des CIRCULANDIA-Konzepts.

Anstatt die Demonstrationsvorhaben auf eine festgelegte Gruppe von Pilotstandorten zu beschränken, nutzt das Konsortium eine dreistufige Struktur. Lösungen werden zunächst in Pilotstädten getestet, anschließend von sogenannten Replikatorstädten angepasst und danach mithilfe von Multiplikatorstädten und -regionen für eine breitere Einführung in anderen Teilen Europas vorbereitet.

Tenhunen-Lunkka beschrieb diese Skalierungslogik auf LinkedIn als einen Ansatz, mit dem sichergestellt werden soll, dass praktikable Lösungen nicht auf ihre ursprünglichen Standorte beschränkt bleiben.

Nach Angaben des EU-GAP-Netzwerks sollen die Ergebnisse der Demonstrationsprojekte in Leitlinien, Handbücher und Schulungsmaterialien einfließen und durch Maßnahmen zum Kapazitätsaufbau und Wissenstransfer ergänzt werden. Auch die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen sollen überwacht werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in politische Empfehlungen und künftige Replikationsvorhaben einfließen.

Der Schwerpunkt auf Replikation verbindet CIRCULANDIA zudem mit einem breiteren Netzwerk EU-geförderter Initiativen zur Kreislaufwirtschaft.

Das European Circular Innovation Valley, kurz ECIV, bezeichnete CIRCULANDIA als Ergänzung zu Programmen, die sich auf den Aufbau regionaler Innovationsnetzwerke konzentrieren. In einem LinkedIn-Beitrag erklärte ECIV, dass seine eigene Rolle bei der Vernetzung von Regionen und der Förderung des Wissensaustauschs mit Projekten wie CIRCULANDIA zusammenwirken könne, die konkrete Lösungen demonstrieren, testen und auf andere Standorte übertragen.

Lille stellt die Wiederherstellung der Böden in den Mittelpunkt

Die Beteiligung der Métropole Européenne de Lille veranschaulicht, wie der umfassende europäische Rahmen in lokale Erprobungsmaßnahmen umgesetzt wird.

Nach Angaben des EU-Büros von Lille Métropole wird sich der französische Metropolitanverband intensiv mit Bodengesundheit und kreislauforientiertem Ressourcenmanagement befassen und CIRCULANDIA mit seiner umfassenderen Landwirtschafts- und Ernährungsstrategie verknüpfen. Zu den geplanten Arbeiten gehört die Nutzung von Kompost aus dem metropolitanen Zentrum für organische Verwertung, um degradierte oder belastete Böden wiederherzustellen.

Die Behörde will außerdem ihren „Technosol“-Ansatz in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Partnern und der Stadtfarm Trichon in Roubaix weiterentwickeln. Das Konzept kombiniert organische und mineralische Materialien, um fruchtbare Böden wiederherzustellen, die landwirtschaftliche Produktion ermöglichen und zugleich Funktionen wie Wasserrückhaltung, Biodiversität und Schadstofffilterung zurückgewinnen können.

Lille zufolge sollen auch die vorgelagerte Sammlung und Sortierung organischer Abfälle untersucht werden, einschließlich Herausforderungen wie Mikroplastikverunreinigungen und Schwankungen der Kompostqualität. Je nach Qualität könnte das zurückgewonnene Material künftig in der konventionellen Landwirtschaft, der urbanen Landwirtschaft oder für die Begrünung städtischer Räume eingesetzt werden.

Die Arbeiten in Lille stehen im Zusammenhang mit der umfassenderen Mission der Europäischen Kommission „Ein Boden-Deal für Europa“. Deren Ziel besteht darin, bis 2030 insgesamt 100 Reallabore und Leuchtturmprojekte aufzubauen, die den Übergang zu gesunden Böden unterstützen. Nach Schätzungen der Kommission befinden sich derzeit mehr als 60 Prozent der Böden in der EU in einem schlechten Zustand.

35 Organisationen – jedoch mit unterschiedlichen Aufgaben

In den Projektunterlagen von CIRCULANDIA wird ein Netzwerk aus 35 Organisationen aus zwölf europäischen Ländern beschrieben. Dazu gehören Kommunen, Regionalbehörden, Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Branchenorganisationen, Cluster und Nichtregierungsorganisationen.

Bei einer genaueren Betrachtung der Projektstruktur werden die Zahlen verständlicher. Im CORDIS-Eintrag der Europäischen Kommission wird CLIC Innovation als Koordinator zusammen mit 24 formellen Projektteilnehmern aufgeführt. CLIC Innovation nennt darüber hinaus zehn Multiplikatorstädte und -regionen, die die künftige Übernahme der Lösungen unterstützen sollen. Zusammen ergeben diese Gruppen die vom Projekt genannten 35 Organisationen.

Die geografische Verteilung reicht von Finnland, Deutschland, Spanien und Norwegen bis nach Frankreich, Belgien, Portugal, Kroatien und in die Niederlande. Weitere Multiplikatorpartner befinden sich in der Ukraine und in Lettland.

Der Beitritt der Métropole Européenne de Lille zum Konsortium vermittelt zudem einen Eindruck davon, wie derartige große EU-Kooperationen zustande kommen.

Marie Guitton von Lille Métropole schrieb auf LinkedIn, CIRCULANDIA sei die erste Beteiligung der Behörde als Partner an einem Horizont-Europa-Projekt. Sie erklärte, Lille sei innerhalb weniger Tage dem Konsortium beigetreten. Ermöglicht worden sei dies durch frühere Arbeiten an einem anderen Horizont-Europa-Antrag zu einem verwandten Thema sowie durch eine schnelle Abstimmung mit CLIC Innovation. Die begleitende Diskussion auf LinkedIn bestand größtenteils aus Glückwünschen, darunter Kommentare, in denen der schnelle Beitritt von Lille und die daraus entstandene Zusammenarbeit begrüßt wurden.

Die Herausforderung besteht darin, die Übertragbarkeit nachzuweisen

CIRCULANDIA beginnt mit einer ungewöhnlich weit gefassten Definition von Kreislaufwirtschaft: Bodenbewirtschaftung, biologische Reststoffe, Lebensmittelproduktion, öffentliche Beschaffung, urbane Landwirtschaft, Verpackungslogistik, Verbraucherverhalten und regionale Governance werden als Bestandteile desselben Systems betrachtet.

Diese thematische Breite dürfte zugleich zu den größten Bewährungsproben des Projekts gehören.

Landwirtschaftliche Bedingungen, kommunale Beschaffungssysteme, vorhandene Abfallinfrastrukturen, Verbraucherverhalten und lokale betriebswirtschaftliche Voraussetzungen unterscheiden sich erheblich zwischen den europäischen Regionen. Das Projekt setzt deshalb stark auf die gemeinsame Entwicklung mit Landwirtinnen und Landwirten, Unternehmen, öffentlichen Behörden und weiteren Interessengruppen. Die Demonstrationsprojekte sollen an die jeweiligen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen vor Ort angepasst werden, anstatt ein einheitliches Modell vorzugeben.

Derzeit handelt es sich bei den erwarteten Verringerungen von Emissionen, Abfällen und Ressourcenverbrauch jedoch weiterhin um Projektziele und nicht um bereits nachgewiesene Ergebnisse. CIRCULANDIA startete erst im Mai 2026. Sein Erfolg wird letztlich davon abhängen, ob die Pilotprojekte messbare Verbesserungen belegen können und ob diese Ergebnisse auch beim Übergang von den Demonstrationsstandorten auf Städte und Regionen mit anderen Rahmenbedingungen Bestand haben.

Sollte dieses Replikationsmodell funktionieren, könnte das Projekt mehr hervorbringen als eine Sammlung einzelner Nachhaltigkeitspilotprojekte: Erkenntnisse darüber, wie landwirtschaftliche Verfahren, lokale Lebensmittelwirtschaft, kommunale Politik und Verpackungssysteme gemeinsam neu gestaltet werden können – und ob sich solche integrierten Ansätze von einem europäischen Gebiet auf ein anderes übertragen lassen.

Hinweis: Dieser Nachrichtenartikel ist auch auf Englisch auf der europaweiten Website EuropaWire verfügbar.

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